NaMeP – „Nachhaltigkeitsbezogene Medienpraktiken von angehenden Lehrer:innen“
Die Studie untersucht nachhaltigkeitsbezogene Medienpraktiken von Lehramtsstudierenden. Ziel ist es, deren Bedeutung für die Professionalisierung im Spannungsfeld zwischen Medienpädagogik und Bildung für nachhaltige Entwicklung zu analysieren.
(Laufzeit 12/22 – 05/25, ohne Förderung, Jan-René Schluchter)
Im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung werden digitale Endgeräte wie Smartphones, Tablets und Laptops zu ständigen Begleitern im privaten wie beruflichen Alltag. Lehramtsstudierende bewegen sich hierbei in einem Spannungsfeld: Sie müssen den digitalen Anforderungen der Hochschulausbildung gerecht werden, sich mit der Vision einer „digitalen Schule“ auseinandersetzen und zugleich gesellschaftliche sowie bildungsbezogene Nachhaltigkeitsziele berücksichtigen. Dabei bleiben die komplexen und global verstreuten Auswirkungen der Herstellung, Nutzung und Entsorgung digitaler Technologien in der öffentlichen Wahrnehmung oft unbeachtet. Ressourcenausbeutung, prekäre Arbeitsbedingungen in Zulieferländern und zunehmende Elektroschrottmengen stellen erhebliche soziale und ökologische Herausforderungen dar, deren unmittelbare Folgen meist außerhalb des eigenen Erfahrungshorizonts liegen (vgl. Lange & Santarius 2020).
In der deutschsprachigen Bildungsforschung wird Nachhaltigkeit bislang vorrangig in Bereichen wie Ernährung, Mobilität oder Konsumgüter thematisiert. Digitale Medien bleiben hingegen häufig ein „blinder Fleck“ (vgl. Kannengießer 2022), obwohl auch ihr Lebenszyklus erhebliche sozial-ökologische Wirkungen entfaltet. Sigrid Kannengießer (2022) zeigt in ihrer Studie „Digitale Medien und Nachhaltigkeit – Medienpraktiken für ein gutes Leben“, wie verschiedene gesellschaftliche Akteur:innen (z. B. Repair Cafés, Fairphone-Nutzer:innen, Plattform Utopia.de) bewusst konsumkritische Medienpraktiken entwickeln, um negative Auswirkungen digitaler Technologien zu vermeiden und nachhaltige Alternativen zu etablieren.
Konsumkritische Medienpraktiken werden als Handlungen verstanden, (a) bei denen Medien genutzt werden, um Konsum(-formen) kritisch zu reflektieren, oder (b) in denen Alternativen zum Konsum digitaler Technologien entwickelt oder praktiziert werden (Kannengießer 2018, S. 217).
Die vorliegende Studie erweitert diesen Ansatz in zweifacher Hinsicht: Erstens werden nicht nur bewusst konsumkritische Praktiken betrachtet, sondern alle Medienpraktiken (vgl. Couldry 2012), die in irgendeiner Weise mit Nachhaltigkeit in Verbindung stehen – auch wenn die Studierenden diesen Zusammenhang nicht explizit reflektieren. Zweitens rückt eine bislang wenig untersuchte Zielgruppe in den Fokus: angehende Lehrer:innen. Diese werden zukünftig eine zentrale Rolle dabei spielen, wie digitale Medien im schulischen Kontext unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeit eingesetzt und vermittelt werden.
Die Studie geht zwei komplementären Forschungsfragen nach:
- Wie gestalten angehende Lehrer:innen ihre nachhaltigkeitsbezogenen Medienpraktiken und wie verhalten sich diese zu ihren allgemeinen Alltagspraktiken?
- Welche Bedeutung haben diese Medienpraktiken für ihre spätere Berufspraxis – insbesondere in Bezug auf die Gestaltung von Schule und Unterricht im Spannungsfeld zwischen Medienpädagogik und Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)?
Die Analyse dieser Praktiken erlaubt einen Einblick in die Präfiguration des beruflichen Handelns angehender Lehrer:innen bereits im Studium. Daraus lassen sich mögliche Impulse für die medienpädagogische Fort- und Weiterbildung sowie für die Curriculumentwicklung in der Lehrer:innenbildung ableiten.
Basierend auf qualitativen Interviews (vgl. Helfferich 2022) mit Lehramtsstudierenden an verschiedenen Standorten der Lehrer:innenbildung in Deutschland werden deren nachhaltigkeitsbezogene Alltags- und Medienpraktiken untersucht. Ziel ist es, deren Bedeutung für die Professionalisierung angehender Lehrer:innen aus der Perspektive einer intergrierten Betrachtung von Medienpädagogik und Bildung für nachhaltige Entwicklung zu reflektieren.
Dr. Jan-René Schluchter
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Institut für Erziehungswissenschaft
Abteilung Medienpädagogik
Reuteallee 46, Raum 1.259
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Tel.: +49 (0)7141.140-1758
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